Mein Vater ist jetzt seit 28 Jahren tot. Das ist schon fast so lang, wie er alt wurde, nämlich 32 Jahre. Vor knapp 20 Jahren habe ich meinen ersten Blog geschrieben. Damals war das Bloggen noch was rein Privates. Es gab diese ganze Social Media-Sache nicht, und SEO usw. war alles noch nicht so wichtig. Text, Bild – Gedanken des Tages. Solchen Blogs bin ich gefolgt, und so einen Blog habe ich damals geschrieben. Tagebuch. Und das mache ich heute auch.

Herbst ~ Nacht des Jahres

Meine Gänsehaut irrt sich nicht: Der Herbst ist da. Das Wetter ist so plötzlich von extrem warm zu extrem arschkalt umgeschlagen – ich überlege gerade, ob ich die Heizung anstelle. Aber der Herbst ist mehr als nur kalt, und darauf wollte ich hinaus: In vielen alten Kulturen werden Herbst und Winter als die “Nacht des Jahres” wahrgenommen. 

Dieses Jahr ist nun seit einigen Jahren etwas Besonderes für mich: Unsere Familienplanung ist nach vier Kindern in sechs Jahren endgültig abgeschlossen. Und mit der letzten Elternzeit endet für mich auch die Baby- und Familienzeit, und damit ein sehr langer und nicht selten zermürbender Lebensabschnitt. Zum ersten Mal seit Jahren fühle ich mich einigermaßen frei von der alleinigen Mutterrolle, und davon andauernd (allein) für irgendein Kind zuständig zu sein. Das bin ich natürlich immer noch – und dann gleich auf 4 – aber auch der Kleinste geht inzwischen zu einer Tagesmutter und meine Vormittage versprechen nun nach den Sommerferien endlich nach knapp 8 Jahren wieder ganz meine zu sein.

Eigentlich hatte ich geplant voller Elan durchzustarten. Seit gut zwei Jahren habe ich meinen DIY- und Nähblog nach vorne gebracht und ernte nun langsam die ersten Lorbeeren, was sich super anfühlt! Und doch ist da etwas in mir, das mich zurückhält und mich fragt, wohin ich eigentlich hinrennen und “durchstarten” will.

vollmond

Yoga mit Vollmond

Seit Anfang des Jahres gehe ich regelmäßig einmal pro Woche zum Yoga. Ich war früher immer zum Schwangeren- oder Rückbildungsyoga. Auf meinem anderen Blog hatte ich mal über meine Yoga-Geschichte in Zusammenhang mit den ganzen Geburten geschrieben. Mittlerweile brauche ich meinen Kurs einmal pro Woche, und eventuell schaffe ich es bald zweimal die Woche, mal sehen.

Yoga gibt mir soviel! Ich konnte sogar zwei Freundinnen überzeugen ebenfalls regelmäßig Yoga zu machen, und auch sie bestätigen diese Erfahrung (wie wahrscheinlich jeder Yogi auf unserer gemeinsamen Erde). 

Normalerweise fühle ich mich nach der Yogastunde energetisiert und kraftvoll – wahrscheinlich ist es das, was mich da immer wieder hinzieht. Beim letzten Mal allerdings war es anders. 

Es ging mir super an diesem Tag, und ich sah der Yogastunde mit Freude entgegen. Die Woche war ok gewesen, aber wenn der Freitag naht, bin ich immer reif für die Matte. 

herbst

Eine unerwartete Begegnung

Wir beginnen immer mit Atemübungen und Meditation (wobei ich erst jetzt nach einigen Monaten dahinter komme; anfangs hab ich während der Meditation immer unser Essen geplant oder den nächsten Einkauf…), und in der letzten Stunde hat es mich gleich in der Meditation kalt erwischt:

Mein Vater war plötzlich da. Stand auf einmal vor mir, einfach so.

Es war eine ganz unerwartete Begegnung, die ich noch immer nicht ganz einordnen kann. Vielleicht muss ich das auch gar nicht. 

Was hätte ich vor 20 Jahren für diesen Moment gegeben! Ich habe gedacht, dass ich über seinen Tod hinweg bin. Dass ich ein großes Mädchen bin. Ich habe selbst Kinder. Bin jetzt älter als er zum Zeitpunkt seines Todes war. Und dann war er einfach so da und nahm mich in den Arm.

Mir kamen in dem Moment die Tränen, was auch irgendwie peinlich ist (und irgendwie auch normal – es ist auch nicht die erste Yogastunde, in der mir die Tränen kommen). Ich bin gar nicht traurig, sondern glücklich. Ich empfinde es als zutiefst tröstlich, dass er plötzlich einfach so da ist und mich festhält. 

Ich hätte gern mit ihm geredet. Zugehört. 

Aber vielleicht kommt das noch. Die Nacht hat ja gerade erst begonnen.

Grüße aus dem Jenseits - über Yoga und Spiritualität

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