Ich hab es ja geahnt. Seit dem ersten Lockdown war mir irgendwie klar, dass dieser Tag kommen würde: Thema Aufklärung und Sexualkunde für Kinder in der Grundschule! Oder: Wie bring ich es ihnen schonend bei? Meine beiden Großen sind jetzt 9 und 10 Jahre alt, 3. und 4. Klasse. Und eigentlich hätten sie längst Aufklärung in der Grundschule gehabt. Eigentlich. Wegen Corona geriet der Lehrplan bekanntermaßen etwas ins Hintertreffen. Es geht jetzt wohl bald los, aber da wir die ersten Vorläufer der Pubertät bereits spüren, wurde es Zeit, aktiv zu werden.

Sexualkunde und Aufklärung für Kinder in der Grundschule: Warum DU als Mama oder Papa Bescheid wissen musst

Ich hab kein Problem mit Aufklärung und Sexualkunde. Ich hab vier Kinder und die hat mir nicht der Storch gebracht. Meinen Kindern hab ich da auch nie irgendwelche Geschichten erzählt. Ich weiß aber, dass andere Mamas sich da durchaus vor drücken – ich habe zum Beispiel eine befreundete Mama, die mir mit roten Ohren gestand, dass sie überhaupt nicht wüsste, wie sie über Menstruation und Sex mit ihrer Tochter sprechen soll.

Das Thema wird in der Grundschule spätestens ab der dritten Klasse unausweichlich und stellt uns Mamas jetzt im Lockdown nochmal vor ganz neue Herausforderungen. Mein Sohn hat auf dem Schulhof schon so manches aufgeschnappt, und auf unserer Turnhalle prangen Graffitis mit dem F-Wort. Nach der wohl behüteten Kindergartenzeit kommen wir dem Ernst der Sache also näher.

(Auf dem Schulhof kursieren übrigens auch weitere Schimpfwörter aus dem Fäkal- und Sexualbereich, und das, obwohl wir hier in der Paderborner Provinz leben – ich mag mir gar nicht ausmalen, wie das in Großstädten ist!)

Wir haben dieses Thema bisher immer offen mit unseren Kindern behandelt. Damit meine ich zum Beispiel, dass alle Körperteile so benannt werden, wie sie heißen. Ok, der Penis ist bei uns als „Pullermann“ bekannt, aber eine Scheide ist eine Scheide und keine Pipimaus oder sowas.

Ein guter Rat von mir: Tu Dir selbst einen Gefallen und fang bitte niemals mit solchen Verniedlichungs- oder Schambegriffen an! Wenn Dir das Thema die Schamesröte ins Gesicht treibt, versuch selbst daran zu arbeiten, aber versuch es nicht an Deine Kinder weiterzuvermitteln! Das ist schwer. Kinder können einem sehr direkte Fragen stellen, die einen durchaus in Verlegenheit bringen, aber je besser Du Bescheid weißt, desto weniger Scham ist vonnöten. Du hast Dein Kind ja auch nicht vom Storch bekommen. (Tipps zur eigenen Fortbildung findest Du ganz unten ;)).

Aufklärung für Kinder beginnt schon im Kindergarten

Im Kindergarten haben meine Kinder an dem Programm „Mein Körper gehört mir“ teilgenommen (leider ist das bei unserer Nummer 3 wegen Corona ausgefallen). Dieses Programm, das an vielen Paderborner Kindergärten mit einem Puppentheater angeboten wird, dreht sich um Sexualität und sexuelle Gewalt. Denn traurigerweise muss man davon ausgehen, dass fast jedes dritte Kind in unserem Land von sexueller Gewalt betroffen ist, also schon einmal vergewaltigt wurde.

Corona hat ja nun auch schreckliche Dinge zutage gefördert – ich finde es auch wichtig, dass unsere Kinder Bescheid wissen, falls sie mal von Freunden mitbekommen, dass die eventuell ein „schlechtes Geheimnis“ haben. Es geht hier einfach darum, dass die Kinder sowas richtig einordnen und uns Erwachsenen Bescheid geben können.

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Meine Kinder wissen dank dieses Programms, dass es Sex gibt und das etwas ist, was in die Welt der Erwachsenen gehört. Und dass es nicht okay ist, wenn Erwachsene eine gewisse Grenze überschreiten. Begleitend hierzu habe ich auch eine Buchempfehlung: „3-Minuten-Vorlesegeschichten für starke Kinder„* – das sind schöne 3-Minuten-Geschichten, in denen es um Selbstbehauptung und Neinsagen geht. Und darum, dass es nicht ok ist, wenn Fremde einen Kuss verlangen.

Der Punkt ist: Wenn die Kinder Fragen dazu haben, dürfen und sollen sie die Fragen bitte stellen – an uns!

Das ist ein ganz wichtiger Punkt: Du musst in den Augen Deiner Kinder die Kompetenz haben, diese Fragen zu beantworten! Wenn Du sie in ihren Augen nicht hast, Dir das Thema peinlich ist oder so, dann werden sie ältere Mitschüler oder andere Leute fragen. Oder sie werden im Internet nach Antworten suchen.

Pubertät is coming

Über Hormone sagte einer meiner Lehrer früher schon:

„Hormone sind wie Marsmenschen. Man sieht sie nicht, aber man kann sie ganz deutlich spüren.“

Lehrer

Dass die Kinder auch schon früh Hormone in sich tragen und deren Launen unterworfen sind, beobachte ich seit mindestens eineinhalb Jahren bei meiner ältesten Tochter, die seltsamerweise immer genau in meiner prämenstruellen Woche zu Launenhaftigkeit und Stimmungsschwankungen neigt, bis hin zu spontanen Tränen- und Wutausbrüchen wegen Nichtigkeiten. Ich selbst habe so mit zwölf meine Tage bekommen, und ich vermute, der Countdown läuft.

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Vorbereitung auf DAS GESPRÄCH: Buchtipps zur Aufklärung

Jetzt kommen die Buchtipps. Ich weiß ja auch nicht, wie ich so ein Gespräch anfangen soll, und ich finde, dass Bücher eine super Grundlage bilden: Die Kinder können sich dann erst einmal selbst mit dem Thema beschäftigen und dann Fragen stellen.

Am Wachsen ihrer Brüste merkt unsere Große seit der dritten Klasse, dass ihre Kindheit bald vorbei sein wird (zumindest fühlt es sich für sie so an). Das mit den monatlichen Blutungen möchte ich ihr also so schonend wie möglich beibringen. Freiheitsliebend und ehrgeizig wie sie ist, wird sie sie als persönliche Demütigung empfinden, und das möchte ich ihr eigentlich gern ersparen.

Mir ist es wichtig, dass sie weiterhin ein gutes Verhältnis zu ihrem Körper hat. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es nicht immer leicht ist, die eigenen Grenzen und eben solche Gegebenheiten wie die Menstruation zu akzeptieren. Empörung darüber ist durchaus eine Emotion, mit der man rechnen muss. („Warum denn nicht die Jungs???“)

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„Das Mädchenfragebuch“* richtet sich direkt an Mädchen ab 8 Jahren und greift alle Themen auf, die da in Richtung so kommen können, auch über Jungs, über Drogen, Tattoos – alles Themen, auf die wir uns auch als Eltern einstellen müssen. Es ist reich illustriert und erklärt alles, und zwar nicht so klinisch steif wie unsere Biobücher früher, sondern in einem recht flotten, modernen Schreibstil – ich fand es jetzt erst einmal ne gute Gesprächsgrundlage.

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Für Jungs gibt es auch ein Buch aus der Reihe, „Das Jungsfragebuch„*, das ähnlich aufbereitet ist. Das habe ich unserem Sohn (9 Jahre) inzwischen auch gegeben, und er fand es schon sehr interessant, wenngleich er sehr beruhigt war, als er durch die Lektüre erfuhr, dass die meisten Veränderungen erst ab 12 einsetzen. Damit war der Fall für ihn vorerst erledigt.

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Ein weiteres Buch haben wir vor Kurzem geschenkt bekommen, und das möchte sehr empfehlen, weil es eine so wichtige Brücke zu einem gesunden Körperverständnis schlägt: „AnyBody. Dick & dünn & Haut & Haar: das große Abc von unserem Körperzuhause.„* Das Buch ist so liebevoll aufgemacht, so hübsch illustriert und beschäftigt so nett mit Haaren, Körperflüssigkeiten, dem Altern, Körperschmuck… es treibt einem sicher manches Mal die Röte hinter die Ohren, zeigt aber, wie NORMAL es ist, einen Körper zu haben, der nun mal auch Kacke produziert.

Die Autorin Katharina van der Gathen ist Sexualpädagogin und hat auch weitere Aufklärungsbücher veröffentlicht. Ihr Buch ist modern, ehrlich, geradeaus und absolut empfehlenswert! Du bekommst es auch bei Bücher.de*.

DAS GESPRÄCH

Es war ganz harmlos! Und kurz!

Ich: „Na, hast Du das Buch gelesen?“

Tochter: „Hmm-hmm.“

Ich: „Und? Irgendwelche Fragen?“

Tochter: „Nö.“

Ein paar Tage später kam sie dann nochmal und hat ein paar harmlose Rückfragen gestellt („Was ist ein „C-Cup“?“). Ab und an hat sie manchmal Unterleibskrämpfe. Sie weiß, dass das irgendwann mit der Mens losgeht, und dass das wohl nervig, aber nicht schlimm sein wird.

Ich frage ab und zu, ob sie noch irgendwas wissen will. Bisher hat sie wenig Interesse am Thema Sex gezeigt. Filme und Bücher mit Liebesgeschichten sind noch nicht sooooo von großem Interesse für sie. Bei Knutschszenen in Filmen oder wenn Stefan und ich uns küssen, machen meine Kinder noch Würgegeräusche.

Wir haben ihr jetzt erst einmal schöne, sportliche Mädchen-Bustiers gekauft – damit ist unsere Aufkläung für’s Erste abgeschlossen. In der Schule kommt das Thema jetzt auch dran. Ich bin gespannt, was uns da noch erwartet.

Weitere Links

Ich schließe meine Artikel ja gern mit weiterführenden Links und Buchtipps ab, so auch heute!

In der 3sat-Mediathek gibt es eine echt gute Doku über die Vulva zu sehen: Vulva und Vagina – Neue Einblicke in die weibliche Lust. Fand ich sehr informativ (die ist natürlich für Dich und nicht für Deine Tochter!).

Durch diese Doku wurde ich auf die Gynäkologin und YouTuberin Sheila de Liz aufmerksam. Hier findest Du ihren Kanal. Ich finde ihn grandios – gerade wenn man selbst Fragen hat ;).

Vor einiger Zeit schrieb ich über die DVD „Was macht Frauen satt und glücklich?“ Auch hier dreht sich einiges um Sexualität, geht aber noch weiter darüber hinaus.

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Author

Sonja alias Padermama - kreativ-wilde Mama von vier Kindern. Liebt ihren Garten, Nähen und laute Musik.

2 Comments

  1. Aufklärung ist so wichtig. Wir sprechen auch regelmäßig mit unseren Kindern darüber. Vor allem, wie sich jetzt bei den Großen der Körper verändert. Mit den Begriffen hast du absolut recht. Diese Verniedlichungen sind zwar im Kleinkindalter ganz putzig (und auch einfach leichter auszusprechen), aber Geschlechtsteile haben nun einmal ihren Namen und sollten auch so benannt werden – ohne Scham.

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