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Achtsame Erziehung. Oha. Die gesamte Mamablogosphäre beschäftigt sich damit. So scheint es jedenfalls, wenn ich durch meinen Mamablog-Pinterest-Feed scrolle oder in entsprechenden Facebook-Gruppen vorbeischaue. Da fallen immer wieder die Begriffe „Achtsamkeit“, „bedürfnisorientierte Erziehung“ oder auch „Attachment Parenting“ (das, soweit ich weiß, dasselbe meint?).

Ich bin ja eher zurückhaltend dabei mich einer pädagogischen Methode oder einer Elternbewegung anzuschließen. Nichtsdestotrotz „erziehe“ (ich hab mit diesem Wort enorme Probleme) ich meine Kinder ja auch irgendwie bedürfnisorientiert. Oder versuche das zumindest.

Nun hat mir der humboldt-Verlag das Buch „Kinder achtsam erziehen“ von Alexandra Karr-Meng zur Rezension angeboten. Als ich den Titel las, ahnte ich, dass das etwas für mich sein könnte.

Kinder achtsam erziehen – unser Status Quo

„Wie Sie Wut, Streit und Geschrei aus dem Familienalltag verbannen“ – so verspricht es der Untertitel des Buches, und ich war gleich sehr interessiert, wie ich diesen paradiesischen Zustand als Mama erreiche. Denn Wut, Geschrei und Streit sind genau die Dinge, die mir im vergangenen Winter die meiste Kraft rauben.

Mit dem beginnenden Frühling wird es langsam besser, aber trotzdem entbrennen bei uns aus den nichtigsten Anlässen die größten Streits. Meine größte Herausforderung ist dabei, dass ich meist den Kleinen auf dem Arm habe, während schon wieder irgendeine Katastrophe ausbricht. Es ist auch egal, ob sie sich untereinander streiten, oder ob sie nur irgendeinen Blödsinn anstellen – durch das ebenfalls oft schlecht gelaunte Baby auf dem Arm oder das vor sich hin trotzende Kleinkind Nr. 3 bin ich so in Beschlag genommen, dass die beiden Großen ungehemmt aufeinander losgehen können.

Manchmal baut sich ein Streit in Millisekunden auf. So schnell kann man gar nicht gucken, da gehen die Kinder aufeinander los. Oder sie reagieren völlig emotional und irrational, und wir stehen mal wieder unter Zeitdruck. Mir fehlt vorn und hinten die Zeit um wirklich jedem Kind immer gerecht zu werden. Natürlich versuche ich darauf zu achten, aber da ich vier Tage die Woche allein mit den Kindern bin, bleibt da leider auch viel auf der Strecke. Und am Ende gibts dann Geheule – was mich dann umso mehr stresst.

Diese Situation ist für uns alle unbefriedigend. Meist habe ich ja auch eine ungefähre Ahnung, was da gerade schief gelaufen ist oder was besser hätte laufen müssen. Aber so ganz habe ich noch kein Konzept, wie ich es besser für alle hinkriege. Für die Kinder, aber auch für mich, und natürlich auch meinen Mann.

Achtsamkeit im Alltag?

Achtsamkeit – das ist das Zauberwort in diesen Tagen. Doch wie gelingt Achtsamkeit im Alltag? Wie schaffe ich es meinen Kindern gegenüber achtsam zu sein und die Kinder achtsam zu erziehen, wo ich doch selbst nur durch den Tag hetze? Mein Tag wird üblicherweise von der Schule, den Mahlzeiten und dem Schlaf des Kleinsten diktiert – zwischendrin versuche ich hier Haushalt, Garten, Anbau, Kindertermine und mein kleines Blog-Business zu organisieren. Wie und wann soll ich da achtsam sein?

Werkzeugkoffer voller Achtsamkeit

Die Autorin und Mutter eines 10-jährigen Sohnes Alexandra Karr-Meng arbeitet als Coach für Eltern und Erzieherinnen und unterstützt diese bei der achtsamen Kommunikation mit Kindern. Mit ihrem Buch „Kinder achtsam erziehen“ will sie gestressten Eltern auf dem Weg zu einer achtsamen Kommunikation mit ihren Kindern helfen. Sie bietet dabei einen „Werkzeugkoffer voller Achtsamkeit“ (S. 10) an, mit Übungen, Informationen, Tipps und Möglichkeiten zur Selbstreflexion.

In dem Buch benennt Karr-Meng treffsicher die einschlägig bekannten Krisenherde im Familienalltag, z.B. Frühstück und Losmüssen, gemeinsame Mahlzeiten, Konflikte im Alltag und Zeitdruck.

Mit vielen praktischen Fallbeispielen beschreibt sie die Situationen, die bei uns allen Stress auslösen, und die häufig im Streit enden. Gleichzeitig analysiert sie die Situation und gibt eine Menge Tipps zur Lösung. Auch ihre Interpretation kindlicher Verhaltensweisen fand ich sehr aufschlussreich, denn Kinder reagieren überwiegend impulsiv, und ihre Reaktionen gaben mir bisweilen Rästel auf.

Das Buch behandelt verschiedene Kapitel der Achtsamkeit: Die Autorin geht der Frage nach, was Achtsamkeit (im Alltag) bedeutet, und sie gibt der Leserin Übungen an die Hand, die sie einfach in den Alltag integrieren kann. Ferner geht es um achtsame Wahrnehmung und eine respektvolle Kommunikation. Denn hier, in der Sprache und im Umgang miteinander, beginnt die Achtsamkeit. Vielleicht kennt ihr den Spruch:

achte auf deine gedanken

Das hat sehr viel mit Achtsamkeit zu tun, denn mit den eigenen Gedanken und dann im Umgang mit uns und anderen äußert sich die Achtsamkeit. Nehmen wir Rücksicht auf die Gefühle unserer Kinder? Nehmen wir sie so an, wie sie sind, auch wenn wir vielleicht nicht jede Reaktion verstehen? Wie reagieren wir auf ihre ungehemmten Wutausbrüche?

Gefühle und Achtsamkeit

Gefühle bekommen in „Kinder achtsam erziehen“ viel Raum. Karr-Meng geht intensiv auf die Gefühlswelt von Kindern ein. Sie spricht über impulsives Verhalten, aber auch Ängste, Neid und Wut. Wie lernen Kinder ihre Gefühle auszudrücken? Wie können sie ihrer Wut Luft machen ohne jemand zu verletzen oder etwas kaputt zu machen?

Auch Geduld und Zeit werden ausführlich thematisiert. Wie geduldig sind wir? Wie lernen Kinder Geduld? Kinder leben von sich aus sehr achtsam. Sie sind immer in der Gegenwart, und das ist eine beneidenswerte und erstrebenswerte Eigenschaft!

Wir Erwachsenen haben immer die Uhr im Blick, hetzen von einem Termin zum nächsten. Ich komme mir selbst häufig vor wie auf der Flucht. In meinem Alltag darf es keinen Stillstand geben, sonst quengelt der Kleine oder ein anderes Kind. Ständig muss ich Abhol- und Bringzeiten im Blick haben, Einkäufe und Termine koordinieren und vorausschauend planen. Und immer Plan B und C parat haben.

Zeit & Geduld

Mir fällt es selbst unglaublich schwer Zeit zu haben. Ich arbeite daran. Unser Jüngster ist jetzt ein Jahr alt – damit beginnt nun für mich die Zeit, in der ich mich auch mal wieder um mich kümmern kann. Deshalb habe ich mir jetzt einen wöchentlichen Yoga-Termin geblockt. Es fällt mir dort leichter ganz im Jetzt zu sein, aber es gelingt mir nicht immer. Und so, wie ich beim Yoga an meiner Achtsamkeit arbeite, arbeite ich auch in meinem Alltag mit den Kindern daran. Es gibt so viele Ablenkungen – da nenne ich einfach mal das Smartphone. Ich habe es viel zu oft in der Hand. Schnell mal was checken, eben mal was liken… und schon warten die Kinder wieder.

Andersrum sollen sie möglichst immer aufmerksam sein, mitmachen, zuhören und sofort bereit sein, wenn wir los müssen. Hier sehe ich unsere ganz persönliche Aufgabe als Familie aus dieser Spirale herauszukommen. Erste Schritte befolge ich inzwischen sehr konsequent: Ich habe die meisten Push-Benachrichtigungen abgestellt und verbringe nur noch eine Minimalzeit auf Facebook, dem Energie- und Zeitschlucker. Das ist vielleicht für meinen Blog nicht gut, wohl aber für meine Blog-Life-Balance.

In dem Buch werden weitere Techniken und Tipps vorgestellt um Energieräuber zu identifizieren. Abgerundet wird es mit einem ausführlichen Teil über die eigene Gelassenheit und die „7 Säulen der Widerstandskraft“. Das zeigt auch, worum es bei der achtsamen Erziehung insgesamt geht: Wir Eltern, bzw. wir Mütter brauchen eine starke Widerstandskraft um unseren Kindern achtsam durch ihre Kindheit und durchs Leben zu helfen. Das Buch gibt Antworten auf die Fragen, wie wir unsere Widerstandskraft stärken und zu innerer Ruhe finden.

kinder achtsam erziehen rezension

Praktische Tipps und Fazit

Neben der Analyse und Information bietet „Kinder achtsam erziehen“ viele praktische Tipps rund um den Alltag mit Kindern an. Wie kann man Stresssituationen entzerren? Wie gehe ich achtsam mit meinen Kindern um? Darüber hinaus legt die Autorin immer den Fokus auf Achtsamkeit und hält eine Menge Ideen bereit, wie man Achtsamkeit in den Alltag integriert, z.B. bei gemeinsamen Mahlzeiten oder Ausflügen.

Ob das für jede Familie praktikabel ist? Ich finde einige Ideen wirklich gut und brauchbar und teste sie bereits. Andere sind definitiv nicht oder noch nicht in meinem Alltag – allein mit vier Kindern – umsetzbar.

Das Buch „Kinder achtsam erziehen“ bietet genau das, was es anfangs verspricht, nämlich einen „Werkzeugkoffer voller Achtsamkeit“. In gut verdaulichen Häppchen und mit einer durchdachten Kapitelstruktur lässt es sich auch mal zwischendurch lesen. Die Beispiele und Tipps sind lebensnah und können meist direkt umgesetzt werden.

Ich sage „meist“, weil ich ja diese besondere Situation mit vier Kindern habe, von denen das jüngste gerade ein Jahr alt ist. Allein dadurch bin ich tagsüber (und nachts) so eingebunden, dass mir wenig Spielraum für Achtsamkeitsübungen bleibt. Was ich aber mitnehme, sind die Hinweise und Informationen zur achtsamen Kommunikation. Natürlich war mir da nicht alles neu, und ich fand es beruhigend, dass ich bisher auch nicht soviel falsch mache. Nichtsdestotrotz kamen durch die Lektüre noch einmal weitere Ideen auf, die ich nun versuchen werde im Alltag umzusetzen.

Das Buch kann ich allen interessierten Eltern empfehlen, die sich mit Achtsamkeit in der Familie und in der Erziehung beschäftigen wollen. Ich spreche hier bewusst von Eltern, denn einen Hinweis möchte ich noch geben, den ich doch für sehr wichtig halte: Es sind ja wahrscheinlich Mütter, die Erziehungsratgeber wie diesen oder auch meinen Blog lesen. Aber Bücher helfen einem gar nichts in der Praxis, wenn der Mann da nicht mitzieht. Also gib dieses Buch auch mal deinem Mann zu lesen und sprich mit ihm über die Inhalte! Achtsamkeit im Leben und in der Erziehung ist ja ein Dauerthema, das gerade in der Hektik des Alltags auch mal schnell untergehen kann. Da ist es gut, wenn Eltern sich grundsätzlich bei dem Thema einig sind und sich gegenseitig auch mal Feedback geben können!

Kinder achtsam erziehen. Wie Sie Wut, Streit und Geschrei aus dem Familienalltag verbannen.
Alexandra Karr-Meng, humboldt 2018

Das Buch ist z.B. über buecher.de* oder alternativ über amazon* erhältlich.

Hinweise in eigener Sache

Hinweis: Dieser Beitrag erschien zuerst auf meinem Blog „The Crafting Café“ und ist hierhin umgezogen, weil ich beide Blogs thematisch getrennt habe.

Für diesen Beitrag wurde mir das Buch freundlicherweise vom Humboldt-Verlag überlassen. Eine weitere Vergütung erfolgte nicht.

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Author

Sonja alias Padermama - kreativ-wilde Mama von vier Kindern. Liebt ihren Garten, Nähen und laute Musik.

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