Erinnerst du dich auch an Lassie? Diesen wunderschönen und klugen Collie aus den 70ern? Ich habe diese alte Schwarz-Weiß-Serie geliebt! Und wenn ich mich neben diesen Fernsehstunden an noch etwas sehr lebhaft erinnere, dann ist das meine Sehnsucht nach einem Hund. Nach einem besten Freund und einem Retter in der Not – so wie Lassie. Ich habe meiner Mutter sehr sehr lange in den Ohren gelegen, bis wir dann irgendwann unseren Familienhund bekamen – einen total verzogenen Golden Retriever und eine Seele von Hund. Heute bin ich selbst Mutter, und ab und an poppt die Frage auf: Hund? Ich schicke voraus: Meine Einstellung hat sich entscheidend geändert.

Familienhund ja oder nein? Labradorhündin Amy

Hunde und Familienglück

Hunde können die besten Freunde sein, das weiß ich. Es ist toll für Kinder, wenn man einen Familienhund hat. Der bringt einem viel Spaß und obendrein die Zeitung.

So oder so ähnlich sind die Vorstellungen über das Leben als Familie mit Hund. Doch stimmt das so? Wir haben vor einiger Zeit das Leben mit einem Hund „getestet“. Meine Mutter war mit ihrem Partner drei Wochen in Argentinien, und wir haben ihre Labrador-Hündin Amy für diese Zeit in Pflege genommen. Beziehungsweise: Ich.

Familienhund ja oder nein? Labradorhündin Amy

Ein Familienhund auf Probe: Amy

Amy ist eine außerordentlich gut erzogene Labradorhündin. Sie hört auf Kommando, ist kinderlieb, sauber und macht überhaupt keinen Ärger. Sie hat sich bei uns prima eingefügt. Ich konnte die Gänge zum Kindergarten und zur Tagesmutter gut mit einem Hundespaziergang verbinden. Da sie als ältere Hundedame gar nicht mehr soviel Auslauf brauchte, passte das sehr gut.

Amy geht sehr brav an der Leine, wenn die Großen sie mal halten. Ganz allein habe ich die Kinder nicht gehen lassen – denn so ganz für voll nimmt Amy die Kinder dann auch nicht. (Die Kinder waren da anderer Meinung, aber ich habe da durchaus einen Blick für die Sprache der Hunde.)

Füttern war auch kein Problem: Ich erinnere mich noch an unseren ersten Hund (der beste Hund der Welt), der sich schon immer auf den Eimer mit Fressen stürzte, wenn wir die Schublade aufgemacht haben. Amy setzt sich dagegen brav hin und wartet nicht nur, bis das Fressen serviert ist, sondern sogar, bis sie aufgefordert wird!

Hunde und Kinder

Ein Familienhund für uns?

Natürlich kam uns zwangsläufig die Frage, ob wir uns einen Familienhund vorstellen können. Aber während meinem Mann in der Diskussion dann so Satzteile aus dem Mund fallen wie „unbedingt“, „auf jeden Fall“ und „irgendwann“, muss ich gestehen: Nö.

Ich will keinen Hund.

Auch nicht nach diesen schönen drei Wochen. Auch nicht mit diesem vorbildlich erzogenen Vorzeigehund. Ich nehme Amy auch so mal – am Nachmittag, oder auch mal über Nacht, wenn ihre Herrschaften auf Party sind. Und dann gebe ich sie auch gern wieder ab.

Fast finde ich es selbst schade. Aber was will ich mit einem Hund?

Familienhund ja oder nein? Labradorhündin Amy

Warum ich keinen Hund will…

Ich ringe hier um JEDE SEKUNDE kinderfreie Zeit. Seit Jahren kämpfe ich um Freiräume, um Zeit für mich, um exklusive Zeit mit den Kindern. Um Alleinsein mit meinem Mann. Um Zeit fürs Nähen, fürs Bloggen.

Seit dem zweiten Geburtstag unseres Jüngsten entspannt sich die Lage. Ich habe die Vormittage, an denen er bei der Tagesmutter ist. Von denen muss ich auch genug Zeit für Arzttermine, Besorgungen, Vorbereitungen und den Haushalt abgeben, statt dass ich mich um meine Blogs kümmern oder nähen kann (was ich am liebsten täte).

Natürlich – die Spaziergänge könnte ich gut mit diversen Besorgungen verbinden. Eine Zeitlang habe ich auf den Australian Shepherd meiner Schwester aufgepasst und war mittags immer eine Runde mit ihm los. Das habe ich immer sehr genossen. Aber ich fand es auch immer schön den Hund wieder abgeben zu können. Ich vermisse es nicht bei jedem Wetter raus zu müssen.

Familienhund ja oder nein? Labradorhündin Amy

Mein Mann arbeitet die Woche über in Hamburg. Den Hund könnte er schlecht mitnehmen. Also würde ich neben den Kindern auch die Hundebetreuung übernehmen. Heißt auch: Mit dem Hund arbeiten. Der kommt ja nicht trocken und perfekt erzogen zu uns. In dem Punkt bin ich auch streng: Bei mir gibt’s kein Gebettel am Tisch, und der Hund muss absolut tiefenentspannt sein, wenn die Kinder um ihn rumturnen und in seinem Ohr puhlen (was sie natürlich nicht dürfen. Aber machen sie ja trotzdem…). Außerdem muss der Hund hören, sich unterordnen und darf nicht aufs Sofa.

Aber hab ich Lust auf Hundetraining? Auf nachts den Hund rauslassen, bis der trocken ist? Hab ich Lust auf Hundepipiflecken auf dem Teppich? Auf zerrissene Kleidung und zerkaute Schuhe (kenn ich noch von unserem ersten Hund!)? Auf Spaziergänge im Regen und einen tropfnassen Hund neben vier tropfnassen Kindern? Auf endlose Wartezeiten beim Tierarzt, weil der Hund ne Socke gefressen hat oder irgendeinen toten Fisch?

Und wo wir schon dabei sind: Warum wäre es eigentlich mein Part? Genau, weil ich eben einfach zuhause bin, der Kinder wegen. Als Mutter sitze ich ja eh schon in dieser Teilzeitfalle, die irgendwann in Altersarmut münden wird. Da kann ich ja gut neben Haushalt, Kindererziehung, Garten, ehrenamtlichen Kuchenbacken für Schule und Kindergarten und meiner kleinen Selbstständigkeit auch noch den Hund betreuen. Wen sehe ich hier jeden Morgen halb zehn mit dem Hund gehen? Nur Frauen!

Familienhund ja oder nein? Labradorhündin Amy

Daher meine Antwort: Nö. Einfach nö. Ich seh mich eher so als Hundetante. Ich passe gern mal auf und finde es schön, dass die Kinder ihr Hundebedürfnis über Oma und meine Schwester ausleben können. Aber dann gebe ich die Hunde auch gern wieder zurück und hab dafür eine Menge Sorgen nicht.

Wie sieht es bei dir aus? Habt ihr einen Hund? Oder auch bewusst keinen?

Lieber Gruß,

Sonja

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Author

Sonja alias Padermama - kreativ-wilde Mama von vier Kindern. Liebt ihren Garten, Nähen und laute Musik.

2 Comments

  1. Ein sehr schöner Text! Und JA, genau aus den Gründen haben wir auch keinen Hund. Ich hatte als Kind einen und hätte auch sehr gerne wieder einen. Irgendwo schwirren da so romantische Ideen vom entspannten Gassi-Spaziergang bei schönem Wetter in meinem Kopf rum. Aber ich bin realistisch genug um zu erkennen, dass das nur in den seltensten Fälle so wäre und Stress und Mehraufwand (zumindest solange die Kids noch Betreuung/Taxi/Aufsicht brauchen) auf meine Kappe gehen würden. Ganz abgesehen von der Frage, wer kümmert sich um den Hund wenn wir im Urlaub sind. Irgendwann vielleicht, aber im Moment definitiv NEIN.
    Wie schön, dass ihr mit Amy trotzdem die Möglichkeit habt ab und zu einen Familienhund zu haben. Sie scheint ja eine besonders Liebe zu sein.
    Liebe Grüße Sandra

    • Hallo Sandra,
      ja, Amy ist wirklich eine liebe! Aber so gut es mit ihr läuft – mit einem anderen Hund wäre es auch wieder anders. Und ich habe auch so genug zu tun. UND meine Mutter hat ein bisschen Angst, dass sie Amy nicht mehr bei uns abgeben kann, wenn wir auch einen Hund hätten. Da nehme ich sie gern mal in Pflege und genieße es auch, aber so für immer… nö!
      Ich wüsste ja auch nicht, wohin mit dem Hund, wenn wir mal in den Urlaub fahren. Wir fliegen ja eigentlich nie, aber so würden wir uns die Möglichkeit auch wirklich verbauen. Und Kosten für Tierarzt und Versicherung kommen auch dazu. Eine gute Freundin von mir hat zwei Hunde, und neulich hatten die mal einen Monat mit knapp 1.000€ Tierarztkosten – so mal eben! ===:o
      Man kann ja so schon kaum gegen die Kosten anverdienen, aber so ein Tier kann auch echt kostspielig sein. Ich hatte auch mal Katzen – ich weiß, wovon ich rede!
      Hundetrainer und Ausrüstung kosten ja auch nochmal Geld – also, da muss schon mehr Leidenschaft da sein sein, dass ich darüber hinwegsehe ;).
      Lieber Gruß,
      Sonja

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